Die Skrjabin-Dynastie – eine musikalische Familiengeschichte
Piano Classics im September
Eine aufschlussreiche Entdeckungsreise durch 150 Jahre Musikgeschichte der weit verzweigten Familie Skrjabin: Die Aufnahme präsentiert zahlreiche wenig bekannte Namen und bislang unbekannte Werke aus der reichen Tradition der russischen Klaviermusik.
Das chronologisch angelegte Programm beginnt mit frühen Werken Alexander Skrjabins (1872–1915), einem der bedeutendsten und eigenwilligsten russischen Komponisten und Pianisten an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Seine hochindividuelle Tonsprache entwickelte sich von der spätromantischen Klaviertradition hin zu einer zunehmend kühnen, harmonisch freien Musiksprache.
Zu den frühen Werken des Programms gehören zwei Fugen und eine Fantasie a-Moll. Eine besondere Entdeckung ist das wenig bekannte Symphonische Allegro von 1896, das möglicherweise als erster Satz einer nie vollendeten Sinfonie gedacht war und später von Leonid Sabanejew für Klavier bearbeitet wurde.
Eine außergewöhnliche Begabung zeigte auch Skrjabins Sohn Julian, der 1908 geboren wurde und bereits im Alter von elf Jahren ertrank. Die wenigen erhaltenen Kompositionen überraschen durch ihre erstaunliche Reife und erinnern in ihrer Klangwelt an die späten Werke seines Vaters. Seine Schwester Marina Skrjabin (1911–1998) schlug dagegen mit ihren in den 1940er-Jahren entstandenen atonalen Variationen einen ganz anderen Weg ein.
Die musikalische Familiengeschichte setzt sich über mehrere Generationen fort: Skrjabins Enkel Daniel Lazarus greift in seinen Six Pieces stilistische Einflüsse von Schubert bis Prokofjew auf. Robert Cornman, der eine Enkelin Skrjabins heiratete, ist mit seiner Sonata brevis vertreten, währenddessen sein Sohn bzw. Skrjabins Urenkel Julian Cornman mit seinem Rondeau eine neobarocke Perspektive auf die Musikgeschichte eröffnet.
So führt der Pianist Matteo Cardelli durch 150 Jahre Musikgeschichte rund um die weit verzweigte Familie Skrjabin – von der romantischen, an Liszt orientierten Klaviertradition über die musikalischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.
